PERLENSÄULENPAAR FÜR EINEN INNENHOF IN BERLIN, 2013

Schwarze Tonperle, Detail, 45 x ø 60 cm

 

 

Säulenpaar aus je 7 einzelnen aufeinander balancierenden schwarzen Tonperlen

2 x ca. 280 x ø 60 – 48 cm

 

 

 

 

Konstruktionszeichnung M 1 : 1, 305 x 135 cm

 

PERLENSÄULENPAAR     2013

für den Hof der Schliemannstraße 18, Berlin – Prenzlauer Berg

Ein Spiel mit Gegensätzen:

Gegensätze erkennen – Gegensätze verbinden

Ganzheit schaffen – Ganzheit verdoppeln

Gegensätze sichtbar machen

 

Die Idee einer PERLENSÄULE beschäftigt mich schon lange:

Eine vertikale, aufrechte Form die sich aus mehreren kugelförmigen Einzelteilen zusammensetzt. Diesem Thema hatte ich mich immer wieder anhand von Zeichnungen und Modellen genähert. Nun hat mir Eigentümer des Berliner Gründerzeit – Mehrfamilienhauses Schliemannstraße 18, Antonio Samos Sanchez, die Materialisierung dieser Idee ermöglicht.

Ich war bereits in die formale Gestaltung des Objektes Schliemannstr. 18 involviert. Das ästhetische Thema ist das helle, cremefarbene Gebäude auf anthrazitschwarzem Untergeschoss/Tiefgarage und die formale Verbindung dieser Gegensätze durch anthrazitschwarze Sockel, Türen, Geländer bis hin zur ornamentalen Verwebung dieser Kontraste in der Tapete des Entrées und der Bereiche zwischen Tiefgarage und Aufzügen.

In der Tiefgarage dominieren schwarze Ziegelwände. Aus demselben Material, einem schwarzbrennenden Ton, wurden die Parkplatznummern von mir entworfen und hergestellt. Es war konsequent für die Skulptur dasselbe Material zu verwenden als weitere Verbindung zwischen den Gegensätzen unten und oben / dunkel und hell.

Aus verschiedenen Achsen des Gebäudes wurde die Position für ein Säulenpaar ermittelt. Dann begann für mich die Konkretisierung meiner Idee mit der Suche nach Proportionen und Maßen, Konstruktions – und Herstellungsmethoden im künstlerischen Werkprozess.

Im Zeichnungs– und Visualisationsprozess – immer in Verbindung zur Architektur und zum menschlichen Maß – hat sich für mich eine Perlenzahl von 7, ein Durchmesser von ca. 60 cm nach oben auf ca. 48 cm sich verjüngend und eine Höhe von 2.80 m herauskristallisiert.

Jede Perle hat ihre eigene innere Konstruktion aus einem hohlen Kegelstumpf an dem überkreuz 4 Scheiben befestigt sind, welche die Außenform aus 4 blattartigen Tonplatten tragen. Die Trocknung musste aufgrund der Innenformen sehr behutsam erfolgen. Das Material war zuerst erst weich und formbar, dann trocken und brüchig um durch den Brand bei 1180 ° Celsius in den harten steinähnlichen Zustand transformiert zu werden.

Die vom Statiker berechnete Unterkonstruktion für die Säulen besteht aus verzinktem Stahl. Jeweils 1 Rohr ist auf eine Platte geschweißt, die wiederum in der dafür angelegten Stahlbetonfundamentplatte verankert ist. Die Tonperlen sind auf diese Rohre gefädelt und jede für sich lagert auf mit dem Rohr verbundenen Winkeln.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist das Säulenpaar aus schwarzen Tonperlen, das formal aus dem Schwarz der Tiefgarage und dem Erdboden herauswächst und so eine weitere Verbindung zwischen unten und oben schafft. Es ist im besten Sinne eine Insitu–Arbeit: ein eigens aus dem und für den Ort konzipiertes Kunstwerk. Es ist aber auch ein autonomes Kunstwerk: die vertikale, männlich-aktive Form der Säule wird durch das Aufeinanderfädeln von kugelrunden, weiblich-weichen Perlen gebildet. Damit wird ein Gegensatzpaar zu einer Ganzheit vereint. Dieses Ganze besteht aus 7 Einzelteilen – 7 symbolisiert die Ganzheit z. B. aus 3 + 4 Geist und Körper/Geist und Seele. Aber es gibt noch andere Beispiele für den ganzheitlichen Symbolgehalt dieser Zahl: 7 Chakren, die Unterteilung des menschlichen Lebens in Jahrsiebte, 7 Schöpfungstage usw. Dieses Ganze wird verdoppelt, es entsteht ein Paar, eine Dualität. Dadurch entsteht Spannung und Austausch, Gegensätze werden erfahrbar.

Das Spiel der Verbindung von Gegensätzen zieht sich weiter bis in den Werkprozess: Das Material ist im Rohzustand wie Erde – weich und formbar und nach dem Brand schwarz und knallhart wie Stein. Bei der Herstellung werden aus flachen 2–dimensionalen Platten nach einer von mir entwickelten Methode aus konstruierten und berechneten Schnittmustern 3–dimensionale Körper, die mit Druck von innen und dagegen klopfen von außen zu hochplastischen sinnlichen und organisch anmutenden Kapseln geformt werden. Die Gegensätze 2– und 3–dimensional, Konstruktion und Organik, Geometrie und Naturhaftigkeit werden hier vereint. Schließlich gibt es den Gegensatz der Säule als starre statische Stütze und der Dynamik und Labilität der übereinander balancierenden Perlen.

Darüber hinaus wird dieser konzeptionelle Gedanke, diese Idee – und das ist mir das wichtigste – verlebendigt in der von Hand gemachten, körperlich erfahrenen und seelisch durchlebten Formgebung, abhängig von der eigenen Verfassung, dem Wetter, dem Tag, dem Leben. So sind 2 Unikate entstanden.

Berlin, den 30.04.2013